Foto: acatech/I. Magrilov

Dialog mit Politik und Gesellschaft

Die Debatte über neue Technologien fördern

acatech versteht sich als Diskussionsplattform für neue Technologiethemen, die die Welt verändern. Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gehen gemeinsam der Frage nach, welche Rolle Technik für die Gesellschaft heute und in Zukunft spielt und wie die Gesellschaft Technik zum Wohle der Menschen und der Umwelt gestalten kann. Die Analysen und Empfehlungen der Akademie sollen in diesem Sinne die Debatten über neue Technologien fördern und evidenzbasierte Handlungsoptionen aufzeigen. Dabei folgt acatech den Leitlinien für die Politik- und Gesellschaftsberatung. Diese sehen neben Exzellenz und Interdisziplinarität in der Projektarbeit vor, dass acatech die Ergebnisse transparent und verständlich zur Diskussion stellt und den Dialog mit Politik und Gesellschaft pflegt. Mittels Diskussionsveranstaltungen, Foren, Veröffentlichungen, Wettbewerben, Messeauftritten sowie vielfältigen Kooperationen vermittelte acatech auch 2017 wichtige Impulse zu technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen.

Im Dialog mit Politik und Gesellschaft

Mit Veranstaltungen für Abgeordnete im Deutschen Bundestag und im Bayerischen Landtag brachte acatech auch im Jahr 2017 Technikthemen in den politischen Dialog. Im April sprachen Mitglieder des acatech Präsidiums zusammen mit Forschungspolitikerinnen und Forschungspolitikern der Bundestagsfraktionen über technologiepolitische Themen im Wahljahr und darüber hinaus. Sie vereinbarten einen noch intensiveren Austausch zwischen Politik und Technikwissenschaft.

Der sechste Innovationsdialog der Legislaturperiode fand am 15. Juni statt. Hier berieten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Forschungsministerin Johanna Wanka und Staatssekretär Matthias Machnig im Bundeskanzleramt mit Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Wirtschaft und Wissenschaft zur Rolle Deutschlands in der europäischen Innovationspolitik.

Strategien gegen den Studienabbruch in den Ingenieurwissenschaften waren Thema der Diskussion bei „acatech am Mittag“ mit Abgeordneten des Deutschen Bundetages im Juni in Berlin. acatech hat in einem Projekt zum Thema Studienabbruch genauer untersucht, warum Studierende ein Ingenieurstudium abbrechen oder auch das Studienfach wechseln, um auf dieser Basis Empfehlungen für eine Senkung der Abbruchquote zu formulieren.

Bei „acatech am Morgen“ diskutierten Abgeordnete des Bayerischen Landtags im Februar mit acatech Präsidiumsmitglied Claudia Eckert und Johannes Hauck, Leiter der AG Smart Homes im Fachforum Autonome Systeme, technische und rechtliche Aspekte von Smart Homes. Im Juni debattierten die Abgeordneten mit Kirstin Hegner von der UnternehmerTUM und Gunnar Heipp von der Münchner Verkehrsgesellschaft über die Mobilität der Zukunft.

In einem internen Workshop tauschten sich im November Michael Vorländer (Referent Forschung bei der CDU/CSU-Fraktion), Christoph Schoppe (wissenschaftlicher Mitarbeiter des Mitglied des Bundestages René Röspel, forschungspolitischer Sprecher SPD) und Andreas Meyer (Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung) mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von acatech dazu aus, wie und zu welchen Themen die Akademie politische Entscheidungsprozesse mit technikwissenschaftlichem Rat unterstützen können. Sie vereinbarten, die Gespräche im kommenden Jahr fortzusetzen.

Eine Gruppe von Personalvorständen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des von acatech und der Jacobs Foundation gegründeten HR-Kreises stellten Ende Juni die acatech DISKUSSION „Arbeit in der digitalen Transformation“ im Bundeskanzleramt vor (vgl. Kapitel Bildung und Fachkräfte). Die Zukunft der Arbeit steht auch im Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres 2018, in das sich acatech intensiv einbringt.

Messen und Konferenzen

An der CeBIT 2017 beteiligte sich acatech erstmals mit einer Ausstellung. Hier standen Autonome Systeme im Mittelpunkt. Das Fachforum Autonome Systeme (Hightech-Forum) um Henning Kagermann übergab dort den Bericht des Forums an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Daraufhin wurde auf der Abschlussveranstaltung des Hightech-Forums im Mai das Forum Lernende Systeme – Die Plattform für Künstliche Intelligenz gegründet, deren Vorsitz Johanna Wanka und acatech Präsident Dieter Spath innehaben. Innerhalb der Plattform arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und zivilgesellschaftliche Organisationen zusammen. Im Mittelpunkt stehen Robotik und künstliche Intelligenz.

V.l.n.r.: Wolfgang Wahlster (Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz), Reimund Neugebauer (Ko-Vorsitzender des Hightech-Forums und Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft), Johanna Wanka (Bundesforschungsministerin), Dieter Spath (Präsident acatech), Georg Schütte (Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung) und Ralf Klinkenberg (RapidMiner GmbH).


Auf der Hannover Messe im April 2017 präsentierten die Akademie und die von acatech koordinierte Nationale Plattform Elektromobilität Zielbilder für die Zukunft der Wirtschaft und des Verkehrs. Auf besonders große Resonanz bei Medien und Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern stieß der Leitfaden „Industrie 4.0 Maturity Index“. Ebenso stellte acatech einen „Wegweiser Smart Service Welt“ und eine „Normungs-Roadmap Elektromobilität 2020“ vor. Die mit „Smart Services“ bezeichnete digitale Vernetzung von Dingen und Dienstleistungen gehört zu den Zukunftsprojekten der Bundesregierung und war auch Thema des Digital-Gipfels im Juni.

Auf der Fachkonferenz Wissenswerte 2017 für Wissenschaftsjournalismus und Wissenschaftskommunikation in Darmstadt präsentierten die Wissenschaftsakademien ihre Arbeit gemeinsam. Holger Wormer (TU Dortmund) stellte am Stand die Ergebnisse des Akademienprojekts zu Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien zur Diskussion. Die Akademienarbeitsgruppe hatte den Einfluss sozialer Medien auf die Wissenschaftskommunikation untersucht.

acatech Akademietag

Neue Perspektiven für die Cybersicherheit standen im Mittelpunkt des acatech Akademietages 2017, der im Mai in Wiesbaden stattfand und von ARD-alpha mitgeschnitten und im November ausgestrahlt wurde. Auf der acatech Festveranstaltung 2017 sprach im Oktober der scheidende Abgeordnete und Bildungspolitiker Heinz Riesenhuber. Die Festveranstaltung widmete sich innovationspolitischen Themen der neuen Legislaturperiode.

Technik zur Debatte

Gesellschaftsberatung und der Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern werden für acatech immer wichtiger. In unterschiedlichsten Formaten und Kooperationen möchte acatech Expertenwissen offen zugänglich machen und Dialoge ermöglichen. Dass alle Publikationen der Akademie kostenlos und frei zugänglich sind, ist eine Selbstverständlichkeit. Darüber hinaus startete acatech 2017 einen zweiten Massive Open Online Course (MOOC) – dieses Mal zum Thema Maschinelles Lernen (gemeinsam mit dem DFKI Deep Learning Competence Center).

Gemeinsam mit der Zeidler-Forschungs-Stiftung und unter Schirmherrschaft des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle schrieb acatech 2017 einen zweiten Schülerwettbewerb TECHNIKENTDECKER aus. Er richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe und prämiert die kreative Auseinandersetzung mit Technik in kurzen Filmen.

Einen erneuten Einsenderekord verzeichnete der Preis für Technikjournalismus und  Technikfotografie PUNKT. In der Kategorie Multimedia überzeugte das Online-Dossier der Süddeutschen Zeitung „Der Facebook-Faktor“ die Jury. Für das Einzelmotiv „Grundlagenforschung“ aus der Fotoserie „Unsichtbares sichtbar machen“ wurde Sven Döring ausgezeichnet. Das acatech Fotostipendium erhielt der freie Fotograf und Fotojournalismus-Student David Carreño Hansen für sein Projektvorhaben „Technischer Fortschritt bei Alltagstechnologien“. 

Mit der Veranstaltungsreihe acatech am Dienstag lädt acatech zu Debatten über aktuelle, relevante und mitunter kontroverse Technikthemen ein. Die Diskussionen im acatech Forum am Münchener Karolinenplatz richten sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Dienstagabends ging es um Themen wie die Zukunft des Straßenverkehrs, Technik- und Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter, Hightech-Food & Hausmannskost und 3D-Druck.

Themen rund um die Energiewende brachte das Akademienprojekt Energiesysteme der Zukunft (ESYS) gemeinsam mit der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform in drei Trialogen in die Debatte. Zu den Trialogen kommen Politik, Wirtschaft und organisierte Zivilgesellschaft mit Medien und Wissenschaft zusammen.

Warum Innovation und Kreativität zusammengehören war Thema eines Workshops zu Kunst und Technik im acatech Forum. 2017 startete acatech außerdem die Dialogreihe „Innovation und Verantwortung“ in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Tutzing zu den Themen Bürgersinn und Energiewende sowie Genome Editing.

In einer ersten gemeinsamen Veranstaltung mit dem benachbarten Amerikahaus wagte acatech den Vergleich der Innovationskulturen. „Silicon Valley meets German Gründlichkeit“ lautete der Titel der Diskussionsveranstaltung. Ebenso kooperiert acatech mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Gemeinsam luden die beiden Akademien Ende November zum Science Slam im Münchner Wirtshaus am Bavariapark ein. Der Veranstaltungssaal war voll und das Publikum einigte sich schließlich auf zwei Sieger des Slam-Wettbewerbs. Dialogveranstaltungen in München und Bayern konzipiert der Themenschwerpunkt Technikkommunikation.

acatech möchte nicht allein Politik und Gesellschaft beraten, sondern diese auch frühzeitig in die eigene Arbeit einbeziehen. In sogenannten Begleitkreisen stellt die Akademie Themen und Ziele neuer Projekte frühzeitig zur Diskussion. Ab 2018 wird acatech in der Reihe „acatech HORIZONTE“ Technikfeldanalysen erarbeiten (vgl. Kapitel Innovationsberatung). Diese setzen sich anschaulich und verständlich mit neuen Technologien auseinander, deren gesellschaftliche Bedeutung noch nicht vollständig erkannt ist. Über das Konzept und erste Themen der Technikfeldanalysen beriet im November ein Begleitkreis bestehend aus 23 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Technikkommunikation und der Gründerszene. Die erste Analyse der Reihe acatech HORIZONTE erscheint Ende 2018 und untersucht Anwendungen, Auswirkungen und gesellschaftliche Fragen von Blockchain.