Foto: shutterstock/pan demin

Innovationsberatung

Unabhängige Expertise zu innovationspolitischen Fragen

Technologische Entwicklungen können Lösungen für globale Herausforderungen wie den Klimawandel, die demographische Entwicklung oder Urbanisierung liefern. Zugleich schaffen sie am eigenen Standort Wachstum, Wertschöpfung und Beschäftigung. Die Innovationskraft eines Landes gilt daher als Voraussetzung für seine langfristige internationale Wettbewerbsfähigkeit. Innovationen in Deutschland weiter zu stärken, ist das Ziel eines Dialogprozesses, den acatech seit 2010 zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft koordiniert.

Der Innovationsdialog: Fachberatung für die Bundesregierung

Der Innovationsdialog zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft ist ein zentrales Forum der acatech Politikberatung auf höchster Ebene. Themen der Innovationsdialoge sind bedeutende Zukunftstechnologien und innovationspolitische Rahmenbedingungen. Zweimal jährlich kommen die Bundeskanzlerin, die Bundesminister für Wirtschaft und Energie sowie für Bildung und Forschung und der Chef des Bundeskanzleramts mit 16 Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen.

acatech Präsident Henning Kagermann koordiniert den Innovationsdialog. Eine bei acatech angesiedelte Geschäftsstelle bereitet die Dialoge inhaltlich und organisatorisch vor. Zu jedem Dialogthema stellt die Geschäftsstelle des Innovationsdialogs ein Dossier bereit. Es bündelt die Ergebnisse eines breit angelegten Stakeholder-Dialogs mit fachlichen Expertinnen und Experten aus dem acatech Netzwerk sowie weiteren Organisationen.

Innovationsstark bleiben: Europäische Innovationspolitik

In seiner letzten Sitzung vor der Bundestagswahl 2017 befasste sich der Innovationsdialog am 15. Juni 2017 mit der europäischen Innovationspolitik und der Förderung disruptiver Innovationen. Deutschland ist im globalen Wettbewerb der Innovationsstandorte auf eine starke EU und einen starken europäischen Forschungsraum angewiesen. Gegenwärtig ist die Innovationsstärke der EU-Mitgliedsstaaten jedoch sehr unterschiedlich. Gemeinsam mit der EU-Kommission, den Mitgliedstaaten sowie Wissenschaft und Wirtschaft möchte die Bundesregierung Forschung und Entwicklung in der EU stärken.

Einen besonderen Mehrwert erzeugen europaweit die Digitalisierung der Wirtschaft und intelligente Mobilität. Dies setzt eine schnelle Weiterentwicklung des digitalen Binnenmarkts voraus. Cybersicherheit ist ein weiterer Bereich, in dem die Mitgliedsstaaten gemeinsam besser vorankommen als mit rein nationalen Lösungen. Cybersicherheit ist unabdingbar für das Vertrauen in digitale Anwendungen, Prozesse der Industrie 4.0 und die Plattformökonomie.

Deutschlands Innovationsstärke hängt auch davon ab, ob Innovationsprünge gelingen und bahnbrechende Ideen Früchte tragen. Deutschland soll zukünftig nicht nur bei inkrementellen Innovationen, sondern auch bei den disruptiven Innovationen zu den internationalen Spitzenreitern gehören. Die Teilnehmer des Innovationsdialogs haben sich deshalb dafür ausgesprochen, Sprunginnovationen mit neuen Instrumenten gezielt zu fördern. Das Thema Förderung von Sprunginnovationen ist auch Gegenstand eines im Februar 2018 erschienenen Impulspapiers.

Ausblick auf zukünftige Themen

In Abstimmung mit dem Bundeskanzleramt und den beteiligten Ressorts hat die Geschäftsstelle des Innovationsdialogs 2017 außerdem vier innovationspolitisch relevante Themen aufbereitet, die in Zukunft Gegenstand einer innovationspolitischen Beratung der Bundesregierung sein könnten: Künstliche Intelligenz, Blockchain und Quantentechnologien sowie der Beitrag von Infrastrukturen zur Innovationsfähigkeit als Querschnittsthema. Entsprechende Themenskizzen liegen vor und wurden im Februar 2018 in einem abschließenden Dossier zusammengefasst.

acatech HORIZONTE: Beratung kompakt, verständlich und aktuell

Ab 2018 wird sich die Akademie mit einem neuen Publikationsformat in die gesellschaftliche Debatte einbringen: Die acatech HORIZONTE richten sich an Entscheider und Interessierte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sich schnell und verständlich über neue Technologien informieren möchten. Die Publikationsreihe ist darauf ausgelegt, den Lesern eine fundierte Orientierung im Thema zu bieten. Auf Basis der Analysen können sie die Relevanz des jeweiligen Technikfeldes für ihr eigenes Tätigkeitsfeld einschätzen.

Die acatech HORIZONTE entstehen im Rahmen der acatech Technikfeldanalyse. Mit diesem Prozess untersucht acatech kontinuierlich zentrale technologische Entwicklungen und bewertet deren wirtschaftliches und gesellschaftliches Potenzial. Am 7. November 2017 moderierte acatech Vizepräsident Jürgen Gausemeier die konstituierende Sitzung des Begleitkreises für die Technikfeldanalyse. Dem Begleitkreis gehören Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Technikkommunikation an. Sie beraten acatech insbesondere bei der Auswahl geeigneter Themen für das neue Publikationsformat. Auf ihrer ersten Sitzung diskutierten sie über Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz, E-Health, Quantentechnologien, Blockchain, Green Food und Energiespeichersysteme.

Auf Basis einer Technikthemenumfrage unter den Mitgliedern der Akademie und den Senatsunternehmen sowie der Diskussionen im Begleitkreis entschied das acatech Präsidium Ende November über die Themen der ersten beiden Publikationen: Blockchain und Cyber Security. Die erste Publikation in der neuen Reihe HORIZONTE erscheint im Herbst 2018.

Mobilität neu denken

Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Sie bringt Lebensqualität und ermöglicht wirtschaftlichen Wohlstand. Unser Mobilitätssystem muss sich heute jedoch mehr denn je an die Lebenswirklichkeit und an umwelt- und klimapolitische Ziele anpassen. acatech möchte dazu beitragen, den Verkehr der Zukunft zu gestalten  – innovativ und technologieoffen. Das Ziel: eine intelligentere, effizientere, ökologischere und vor allem nutzerfreundliche Mobilität. Die Akademie stellt in verschiedenen Projekten die drei großen Treiber der Mobilitätswende in den Mittelpunkt: Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung.

Elektromobilität ist der zentrale Baustein künftiger Mobilitätssysteme, und Schlüssel zu einer integrierten Klima-, Energie- und Mobilitätsstrategie, weil sie sich am besten mit einem regenerativen Stromsystem verbinden lässt. Im Jahr 2010 gründeten Bundesregierung und Industrie die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), in der rund 150 Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten – ein international einzigartiger, branchenübergreifende Schulterschluss von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Sie ist die Impulsgeberin und das zentrale Beratungsgremium der Bundesregierung. Auf der Hannover Messe im April 2017 überreichte der acatech Präsident und NPE-Vorsitzende Henning Kagermann die „Deutsche Normungs-Roadmap Elektromobilität 2020“ an die Bundesregierung.  Einheitliche Normen, Standards und Zertifizierungen, z.B. im Bereich der Ladeinfrastruktur, sind unverzichtbar für die Markteinführung von Elektrofahrzeugen. Die Roadmap zeigt bisherige Erfolge und weitere Handlungsbedarfe, etwa beim kabellosen Laden auf.

Staatsekretär Rainer Bomba aus dem Bundesverkehrsministerium und Staatsekretär Mathias Machnig aus dem Bundeswirtschaftsminiserium nehmen die Roadmap entgegen. V. l. n. r.: Roland Bent (Phoenix Contact), Rainer Bomba (BMVI), Matthias Machnig (BMWi), Henning Kagermann (NPE; acatech).


Im Januar 2018 begann die zweite Phase des acatech Projekts Neue autoMobilität (Laufzeit bis Juni 2019). Das Zielbild für den automatisierten und vernetzten Straßenverkehr 2030 (erste Projektphase) wird nun um Szenarien des kooperativen Straßenverkehrs und der intelligenten Verkehrsteuerung ergänzt: Fahrzeuge werden untereinander und mit einer intelligenten Verkehrsinformations- und Kommunikationsinfrastruktur vernetzt. Der Verkehr wird dadurch sicherer und fließender. Die Verbindung der Verkehrsformen (Intermodalität) sowie datengetriebene Mobilitätskonzepte (Mobility-as-a-Service) werden hier ebenso berücksichtigt wie drängende gesellschaftspolitische Fragen im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes. Verstärkt geht es nun um die Bedarfe der Städte und Gemeinden. Das Projekt widmet sich damit aus einer branchen- und disziplinübergreifenden Perspektive der Gesamtarchitektur der Mobilität der Zukunft.

Ein Anliegen der Akademie für die Zukunft sind die integrierte Betrachtung der Bereiche Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung und die Kopplung der Sektoren Mobilität und Energie. Nur im Zusammenspiel dieser Bereiche lassen sich die national und weltweit vereinbarten Umwelt- und Klimaziele erreichen – und Menschen und Güter sicher und bezahlbar an ihre Ziele bringen.