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Internationales

Globale Herausforderungen gemeinsam lösen

acatech arbeitet als deutsche Akademie der Technikwissenschaften an den Themen der Zukunft. Doch nicht nur die deutsche Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft machen sich darüber Gedanken, wie wir in Zukunft leben, arbeiten, uns fortbewegen oder ernähren werden, auch acatech – als satzungsmäßig legitimierte Stimme Deutschlands für die Technikwissenschaften  bringt diese Stimme weltweit ein.

SAPEA: Europäische Akademien im Beratungsmechanismus der EU-Kommission

Seit November 2016 sind die fünf europäischen Akademieverbünde im Rahmen des Projekts SAPEA (Science Advice for Policy by European Academies) Teil des wissenschaftlichen Beratungsmechanismusses der Europäischen Kommission. Politikrelevante Fragen richtet die EU-Kommission über die High Level Group of Scientific Advisors (HLG) an die Akademien. Sie beantworten diese Fragen interdisziplinär und unabhängig nach bestem Stand der Wissenschaft. Ziel ist es, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auf europäischer Ebene stärker und frühzeitig in den politischen Meinungsfindungsprozess einfließen. Die fünf europäischen Akademieverbünde Academia Europaea, ALLEA, EASAC, Euro-CASE und FEAM bündeln die Expertise von über 100 Akademien in Europa.

Einen ersten Evidenzbericht über wissenschaftliche Erkenntnisse und Handlungsoptionen zum Thema Nahrung aus den Ozeanen (Food from the Oceans) haben die Akademien im November 2017 vorgelegt. Zudem arbeiten Expertinnen und Experten der Akademien an Themen wie CO2-Abscheidung sowie die Verwendung und Zulassungsprozesse von Pflanzenschutzmitteln. SAPEA hat Leitlinien für die Politik- und Gesellschaftsberatung sowie zur Qualitätssicherung veröffentlicht. Auf Initiative von SAPEA kamen Vertreterinnen und Vertreter aus den europäischen Akademien in Madrid und Bukarest zusammen, um sich über Arbeitsweisen bei der Politikberatung auszutauschen. Das SAPEA Projekt wird durch Horizon 2020 gefördert und von acatech koordiniert.

Zu den Konsortialpartnern zählt der europäische Dachverband der technikwissenschaftlichen Akademien Euro-CASE, dessen Vorsitz acatech Vizepräsident Reinhard F. Hüttl innehat. In vier Plattformen arbeitet Euro-CASE zu den Themen Innovationspolitik, Bioökonomie, Klima- und Energiepolitik sowie Ingenieursausbildung. Ende 2017 erschien der Abschlussbericht der Innovationsplattform Barriers to innovation and scale-up of innovative SMEs. Unter Leitung von acatech Mitglied Eberhard Umbach wird die Energieplattform ab 2018 das Thema „Potential for future energy cooperation in Europe” bearbeiten.

Übergabe des wissenschaftlichen Gutachtens der High Level Group of Scientific Advisors (HLG) und des SAPEA-Evidenzberichts an die EU Kommissare für Forschung und für Maritime Angelegenheiten am 29. November 2017 in Brüssel. Erste Reihe, v.l.n.r.: Poul Holm (Vorsitzender der SAPEA Arbeitsgruppe), Carina Keskitalo (HLG), Karmenu Vella (Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei), Rolf-Dieter Heuer (HLG), Carlos Moedas (Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation), Günter Stock (ALLEA); zweite Reihe, v.l.n.r.: Janusz Bujnicki (HLG), Dag Aksnes (Vorsitzender der SAPEA Arbeitsgruppe), Pearl Dykstra (HLG), Sierd Cloetingh (Academia Europaea).


Akademien weltweit: Technik für gesellschaftlichen Fortschritt

Im internationalen Akademienverbund Council of Academies of Engineering and Technological Sciences (CAETS) engagiert sich acatech primär in der Arbeitsgruppe Energy. Themen rund um die globale Energieversorgung stehen dort im Mittelpunkt. acatech hat im November 2017 die Federführung der Arbeitsgruppe und somit die Koordination des 4. Energy Reports übernommen.

acatech unterstützt die inhaltliche Arbeit und strategische Entwicklung des Akademienverbundes: So sprach acatech Vizepräsident Reinhard F. Hüttl im November 2017 in Madrid auf dem CAETS-Symposium „Challenges of the Bioeconomy”. Darüber hinaus agiert acatech Mitglied Frank Behrendt als Mitglied des CAETS Board of Directors im Sinne der weiteren inhaltlichen Ausrichtung und Entwicklung des Verbundes.

© Real Academia de Ingeniera: Reinhard F. Hüttl hielt die Eröffnungsrede auf dem CAETS Symposium „Challenges of the Bioeconomy” am 14. November 2017 in Madrid.

Strategisches Netzwerk

acatech hat ihre internationalen strategischen Netzwerke auch im Jahr 2017 weiter ausgebaut. Gemeinsam mit dem MÜNCHNER KREIS und der Chinese Academy of Engineering (CAE) organisierte die Akademie den „Second Sino-German Workshop on Digital Transformation of Manufacturing Industry“ als Teil des internationalen Forums „Innovation and Emerging Industries Development“. Beide Veranstaltungen waren in die Shanghai-Industriemesse 2017 eingebettet. Der Workshop zeigte, dass sich die länderspezifischen Schwerpunkte bei der Umsetzung der Digitalisierung industrieller Produktionsprozesse noch unterscheiden. Internationale Kooperation und globale Standards waren weitere Anliegen.

acatech Präsident Henning Kagermann sowie die acatech Mitglieder Günther Schuh und Michael Dowling sprachen auf dem Workshop. Weitere Termine in Shanghai waren ein Workshop der Sino-German Company Working Group Industrie 4.0 and Intelligent Manufacturing (AGU4.0), ein Accenture-Innovation Roundtable – Beyond Industrie 4.0, ein Treffen mit Guang-Chang Guo, dem Gründer und Präsidenten von FOSUN, sowie ein Treffen mit dem Präsidenten der Chinesischen Akademie der Technikwissenschaften. 

Auch die guten Beziehungen zur koreanischen Akademie der Technikwissenschaften (NAEK) konnte acatech 2017 weiter festigen. Zum gegenseitigen Austausch trafen sich im März acatech Präsident Henning Kagermann und NAEK-Präsident Oh-Kyong Kwon. Im Mai tauschte sich Henning Kagermann als Vertreter der deutschen Delegation und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit dem Minister über die Entwicklungen der digitalen Transformation in Korea aus.

Im September sprachen koreanische und deutsche Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik mit Henning Kagermann auf einer acatech-NAEK-Konferenz in Seoul über den Weg in die Industrie 4.0. Bei dieser Gelegenheit besuchte Henning Kagermann auch You Young-Min, den südkoreanischen Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie. Weitere Stationen waren ein Besuch im „Blauen Haus“, dem Sitz des Staatspräsidenten Südkoreas Moon Jae-in, ein deutsch-koreanischer Workshop zur vierten Industriellen Revolution sowie ein Dinner-Roundtable zu den Themen Industrie 4.0 und Elektromobilität. Zusätzliche Treffen von acatech und koreanischen Unternehmen, Wissenschaftlern und Regierungsvertretern fanden im August und Oktober statt. 

Seit 2016 kooperiert acatech mit dem UN World Food Programme (WFP). Das WFP ist die weltweit größte humanitäre Organisation. Der WFP Innovation Accelerator fördert wegweisende Projektideen und begleitet deren Umsetzung von der Testphase bis hin zum Einsatz vor Ort. acatech und das UN World Food Programme wollen gemeinsam disruptive Technologien in der Ernährungssicherung vorantreiben. Im Juni 2017 diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Workshops über „Renewable Energy for the Communities“.

Bei acatech am Dienstag diskutierten im September 2017 Bernhard Kowatsch und Nina Schröder vom WFP Innovation Accelerator mit Ministerialdirigent Konrad Schmid, Leiter der Abteilung Grundsatzfragen der Agrarpolitik im Bayerischen Landwirtschaftsministerium, und Joachim Herbold, Senior Underwriter der Abteilung Agro & Weather der Munich RE, über technische Innovationen im Kampf gegen Hunger. Im November 2017 veranstaltete der WFP Innovation Accelerator im Beisein von acatech Präsident Dieter Spath die WFP Innovation Accelerator Pitch Night bei Google München. Start-up Teams aus aller Welt präsentierten ihre Ideen zum Thema „Zero Hunger“, dem  zweiten Sustainable Development Goal der UN. 

Ergänzend zum Auf- und Ausbau von strategischen Netzwerken und Partnerschaften fanden weitere Treffen mit internationalen Stakeholdern statt: beispielsweise mit dem Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (Februar 2017), mit einer Delegation aus Guangdong/China (Mai 2017) oder Vertretern von Toyota (November 2017). acatech wird sein internationales Engagement als Stimme der Technikwissenschaften fokussiert auf acatech Themen weiter ausbauen.