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Bildung und Fachkräfte

Die Arbeitswelt von morgen gestalten

Die digitale Transformation stellt eine der größten Herausforderungen für die Wirtschaft dar und wird deshalb auch die Arbeitswelt maßgeblich prägen. Wie können aus der Digitalisierung Chancen für Innovation und gute Arbeit erwachsen? Welche Kompetenzen brauchen wir in Zukunft? Und wie kann die Arbeitsmarktpolitik den Wandel in der Arbeitswelt zum Wohle der Menschen unterstützen? Diese Fragen prägten nicht nur Parteiprogramme zur Bundestagswahl. Expertenkommissionen haben Vorschläge für die Transformation der Arbeit und der Qualifizierung vorgelegt, darunter das Fachforum Innovative Arbeitswelten des Hightech Forums der Bundesregierung und die Kommission Arbeit der Zukunft der Hans-Böckler-Stiftung. Die Digitale Bildung war eines der Schwerpunktthemen des Digital-Gipfels 2017 der Bundesregierung. Mit dem DigitalPakt Schule wollen Bund und Länder ab dem Jahr 2018 die Schulen digital besser ausstatten. acatech brachte sich mit Impulsen, Gesprächen und Veranstaltungen in diese Debatten ein.

Wie Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen von der Digitalisierung profitieren können

Für Unternehmen bietet die Digitalisierung die Chance, ihre Produktivität sowie ihre Innovationsfähigkeit und -geschwindigkeit nachhaltig zu steigern. Zugleich können Beschäftigte ihre Arbeit flexibler und selbstbestimmter gestalten. Spezifische Arbeitsanforderungen und persönliche Lebensgestaltung lassen sich auf diese Weise besser in Einklang bringen. In der neuen Publikation „Arbeit in der digitalen Transformation: Agilität, lebenslanges Lernen und Betriebspartner im Wandel“ hat der HR-Kreis von acatech und der Jacobs Foundation (Kreis von Personalvorständen zur Zukunft der Arbeit) konkrete Herausforderungen der betrieblichen Praxis veranschaulicht und Vorschläge formuliert, wie sich Ansätze in Unternehmen sowie gesetzliche Regelungen und Verfahren zur Mitbestimmung weiterentwickeln lassen.

Das zentrale Anliegen: Der Wandel der Arbeitswelt muss so gestaltet werden, dass Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen profitieren. Entscheidend ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Wandel aktiv und selbstbestimmt mitgestalten können. Der Weg der Transformation führt vor allem über Experimente, denn Unternehmen und Beschäftigte brauchen Freiheiten und Raum, um unterschiedlichste Arbeitsformen zu erproben. Anlässlich der Übergabe der Ergebnisse im Bundeskanzleramt im Juni 2017 sagte Staatsminister Helge Braun: „Wir sollten die Chancen der Digitalisierung für Wachstum, Wohlstand und zusätzliche Arbeitsplätze nutzen. Die Arbeitsgruppe hat wertvolle Ideen und Denkanstöße für einen offenen Dialog zur Zukunft der Arbeit vorgelegt.“

Übergabe der Ergebnisse des HR-Kreises am 29. Juni 2017 im Bundeskanzleramt. V.l.n.r.: Ulrich Weber (Deutsche Bahn AG), Henning Kagermann (acatech), Staatsminister Helge Braun (Bundeskanzleramt), Dieter Spath (acatech), Christian P. Illek (Deutsche Telekom AG) und Joh. Christian Jacobs (Joh. Jacobs & Co. (AG & Co.) KG, Jacobs Foundation). 


Heute wissen, was wir morgen können müssen – Nationales Kompetenzmonitoring

Welche Kompetenzen brauchen wir am Standort Deutschland, um Zukunftstechnologien in Chancen für Wertschöpfung und Beschäftigung umzuwandeln und um international wettbewerbsfähig zu bleiben? Diese Frage steht am Anfang des innovationspolitischen Dialogs von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Im Austausch sollen nicht allein Fragen der Aus- und Weiterbildung, sondern auch Themen wie Forschung und Entwicklung, Geschäftsmodelle, Wissenstransfer und staatliche Rahmenbedingungen erörtert werden. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie BDI und der Hans-Böckler-Stiftung entwickelte acatech eine Methodik für ein Nationales Kompetenz-Monitoring. Diese Methodik haben die Partner anhand von zwei Zukunftsthemen erprobt: Data Science und Intelligente Energiespeichersysteme. Die Ergebnisse dieser Pilotprojekte haben Mitglieder der Arbeitsgruppe im Dezember 2017 an das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) übergeben.

Gute Bildung ist der Schlüssel für Innovation und Teilhabe

Digitale Bildung beschränkt sich nicht auf das Erlernen von Programmiersprachen oder mehr Informatikunterricht. Schulen müssen junge Leute auf eine Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten, in der Veränderung und permanenter Wandel zum Alltag gehören. Die wichtigsten Kompetenzen dafür sind Kreativität, Problemlösefähigkeit und Kollaboration.

MINT-Nachwuchsbarometer

Das MINT-Nachwuchsbarometer, das acatech gemeinsam mit der Körber-Stiftung herausgibt, hatte 2017 den Schwerpunkt „Bildung in der digitalen Transformation“. Das Nachwuchsbarometer zeigt, dass digitale Bildung noch keine Selbstverständlichkeit an den Schulen ist: Drei von vier Neuntklässlern nutzen zu Hause fast täglich den Computer, aber nur ein Prozent auch in der Schule. Auch in den Grundschulen wird nur zögerlich mit digitalen Mitteln gelehrt: Gerade einmal 20 Prozent der 6- bis 8-Jährigen haben regelmäßig Unterricht am PC oder nutzen ihn in Pausen oder Nachmittagsangeboten.

Design-Thinking-Workshop

acatech, die Stiftung Bildungspakt Bayern und der Münchner Kreis haben die Ergebnisse des MINT Nachwuchsbarometers 2017 zum Anlass genommen, im Rahmen eines Workshops gemeinsam mit Bildungspraktikern und -planern in Bayern Lösungen für eine innovative Schulorganisation zu entwickeln. Das Innovation Lab der Munich Re bot einen passenden Rahmen dafür. Die Veranstaltung war einer von sieben bundesweiten Bildungsdialogen der Expertengruppe Intelligente Bildungsnetze des Digital-Gipfels.

Expertenpanel zu Beginn des Workshops am 24. Oktober 2017 in München: Christoph Igel (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz), Manfred Prenzel (TU München, acatech Mitglied) und Marc Wagner (Detecon Consulting; v.r.n.l.) gaben Ausblicke in zukünftige Arbeits- und Lebenswelten.


MINT-Bildung neu denken

Ein Roundtable von acatech und der Siemens Stiftung griff zu Beginn des Jahres 2017 ein zentrales Thema der jüngsten PISA-Untersuchungen auf: Demnach muss in Deutschland die Förderung der Top-Talente in den MINT-Fächern stärker in den Fokus rücken. Ähnlich wie im Spitzensport geht es um eine systematische Talentfindung und -förderung. Dazu sollten Schülerforschungszentren eingerichtet werden, die ein vertieftes naturwissenschaftliches Forschen und Experimentieren außerhalb der Schule ermöglichen. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Nationalen MINT Forum statt.

Studienabbrüche analysieren und verhindern

Hohe Studienabbruch-Zahlen in den Ingenieurwissenschaften sind ein brisantes Thema in der Bildungswelt. acatech und TU9 haben sie genauer untersucht. Seit Dezember 2017 liegen die Ergebnisse vor: Demnach sind die Abbruchquoten in den Ingenieurwissenschaften an Universitäten mit rund 23 Prozent deutlich niedriger als bisher angenommen. Im Rahmen der Untersuchung wurden erstmals Daten von rund 50.000 Studierenden erfasst und ausgewertet, die eine Unterscheidung von Studienabbrechern und Fach- bzw. Hochschulwechslern ermöglicht. Eine Analyse von Best-Practice-Maßnahmen an Universitäten zeigt, dass vor allem Eignungsfeststellungsverfahren die Studienabbruchquoten  senken. Weitere Erfolgsfaktoren sind eine hohe Qualität der Lehre und eine gezielte Unterstützung beim Einstieg ins Studium. Eine zentrale Empfehlung von acatech und TU9 richtet sich an die Politik in den Ländern: Sie sollten Hochschulen größtmöglichen Freiraum lassen bei der Gestaltung guter Studienbedingungen, die Studienabbrüche vermeiden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hatte das gemeinsame Projekt Studienabbruch in den Ingenieurwissenschaften von acatech und TU9 gefördert.

acatech Projekte 2017 im Themenfeld Bildung und Fachkräfte

Abgeschlossene Projekte  
Studienabbruch in den Ingenieurwissenschaften Aug. 2015 – Dez. 2017
MINT Nachwuchsbarometer Juli 2013 – Juli 2017
Nationales Kompetenz-Monitoring (Pilot) Feb. 2016 – Dez. 2017
Innovationsindikator Juli 2015 – Juli 2017
Laufende Projekte  
HR-Kreis – Forum für Personalvorstände zur Zukunft der Arbeit Mai 2014 – Dez. 2018
Zukunft der Betriebsabläufe: Stand, Perspektiven, Szenarien und Empfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (SmartAIwork) Nov. 2017 – Nov. 2020